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Europäische KI: Chatbots, Sprachmodelle und KI-Firmen aus Europa (2026)

Zuletzt aktualisiert 12. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit


Wer „europäische KI“ sucht, meint Verschiedenes: eine europäische Alternative zu ChatGPT, ein in Europa entwickeltes Sprachmodell oder schlicht KI-Firmen mit Sitz in Europa. Dieser Ratgeber sortiert die Begriffe. Er behandelt die auf buy-european.net gelisteten KI-Assistenten europäischer Unternehmen, die wichtigsten europäischen Modellanbieter und die Grenzen, die man kennen sollte. Stand: Oktober 2026.

Was bedeutet „europäische KI“?

Im Alltag fließen drei Kriterien ineinander, die nicht immer zusammenpassen:

  • Firmensitz: Das Unternehmen hinter dem Produkt hat seinen Hauptsitz in Europa. Nach diesem Kriterium werden die Einträge auf dieser Seite aufgenommen.
  • Modellherkunft: Das Sprachmodell selbst wurde in Europa entwickelt. Von den Assistenten unten läuft nur Mistral Vibe auf den Modellen des eigenen Anbieters.
  • Hosting und Datenverarbeitung: Wo Anfragen verarbeitet werden und ob Gespräche gespeichert oder zum Training genutzt werden. Das regelt die Datenschutzerklärung des jeweiligen Anbieters, und für den Datenschutz ist es der wichtigste Punkt.

Ein Sitz in Europa erleichtert Zuständigkeitsfragen und das Thema Datenübermittlung in Drittländer, garantiert aber für sich genommen keinen bestimmten Standard. Die DSGVO gilt für jeden Anbieter, der personenbezogene Daten von Menschen in der EU verarbeitet, egal wo er sitzt. Auch die KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689, „AI Act“) erfasst Anbieter von außerhalb der EU, wenn sie KI-Systeme auf dem europäischen Markt anbieten. Die Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck gelten seit August 2025, andere Fristen hat der Digital-Omnibus 2026 verschoben. Aktuelle Termine stehen auf der Website der EU-Kommission. Die Schweiz, Sitz zweier Assistenten unten, gehört zu Europa, aber nicht zur EU und hat ein eigenes Datenschutzgesetz.

Europäische KI-Chatbots und Assistenten

In der Kategorie Europäische KI-Chatbots sind vier Assistenten gelistet. Die folgenden Angaben stammen von den Websites der Anbieter und sind keine unabhängigen Prüfungen.

Mistral Vibe (früher Le Chat), Mistral AI, Frankreich

Mistral AI wurde im April 2023 gegründet, ist in Paris registriert und entwickelt eigene Sprachmodelle, teils als Open-Weight-Modelle. Am 28. Mai 2026 wurde Le Chat in Vibe umbenannt. Die Adresse chat.mistral.ai, Konten und Gespräche blieben erhalten. Vibe vereint einen Chat-Modus, einen Work-Modus für mehrstufige Aufgaben über verbundene Apps und einen Code-Modus. Es gibt einen Gratistarif mit begrenzten Nachrichten und Websuchen, Pro, Team und Enterprise sind kostenpflichtig. Funktionsumfang und Alltagstauglichkeit liegen am nächsten an ChatGPT. Wer nur einfach chatten will, findet den Fokus auf Arbeit und Code womöglich breiter als nötig.

Euria, Infomaniak, Schweiz

Infomaniak, ein 1994 in Genf gegründeter Schweizer Anbieter, hat Euria im Dezember 2025 gestartet. Der Dienst läuft nur auf eigenen Servern in der Schweiz, und laut Infomaniak werden Gespräche nicht zum Training genutzt. Euria setzt Open-Source-Modelle ein, nach Angaben von Infomaniak unter anderem Mistral, DeepSeek und Llama. Es fasst Dokumente zusammen, übersetzt sie und transkribiert Audio. Die Nutzung ist im Rahmen eines gleitenden 24-Stunden-Nachrichtenkontingents kostenlos, im Browser, als App und in kSuite. In einer Reihe von Ländern, darunter Indien und Indonesien, ist der Dienst nicht verfügbar.

Lumo, Proton, Schweiz

Proton hat Lumo im Juli 2025 gestartet. Proton gibt an, Gespräche nicht zu protokollieren, nicht zum Training zu nutzen und den gespeicherten Verlauf so zu verschlüsseln, dass Proton ihn nicht lesen kann. Der Ghost Mode verwirft einen Chat, sobald die Sitzung endet. Lumo betreibt Open-Source-Modelle auf Servern, die Proton in Europa kontrolliert. Es gibt einen kostenlosen Tarif, der auch als Gast ohne Konto nutzbar ist, sowie das kostenpflichtige Plus. Lumo ist schlanker als die großen Assistenten und passt zu Fragen und Dokumenten, bei denen Datenschutz mehr zählt als Integrationen.

Ecosia AI Chat, Ecosia, Deutschland

Ecosia, die 2009 gegründete Berliner Suchmaschine, hat AI Chat als optionalen Modus neben der Suche eingebaut. Als Modell nennt Ecosia Mistral Small 4, Anfragen gehen also an Mistral. Chatinhalte liegen im Browser und, wenn man den Verlauf aktiviert, verschlüsselt auf Ecosia-Servern. Ecosia rät davon ab, sensible persönliche Angaben einzugeben, und gibt an, die Funktion noch schrittweise auszurollen. Sie ergänzt die Suche, ist aber kein eigenständiger Assistent.

Europäische Modellanbieter und KI-Firmen

Nicht jede europäische KI-Firma bietet einen Chatbot für Privatnutzer an. Für die Frage, woher die Modelle stammen, sind diese Unternehmen wichtig:

  • Mistral AI (Paris): der bekannteste europäische Entwickler von Sprachmodellen. In der Series-D-Runde meldete das Unternehmen 3 Milliarden Euro bei einer Post-Money-Bewertung von mehr als 21 Milliarden Euro und beschreibt seinen Ansatz als Open-Weight-Modelle samt Infrastruktur und Produkten. Mistral-Modelle laufen auch hinter Ecosia AI Chat, und Infomaniak nennt Mistral unter den Modellen für Euria.
  • DeepL (Köln): Die DeepL SE ist für maschinelle Übersetzung bekannt. Es gibt eine kostenlose Version mit monatlichen Grenzen sowie Bezahltarife für Einzelnutzer, Teams und Unternehmen. Siehe DeepL in der Kategorie Übersetzungsdienste.
  • Black Forest Labs (Freiburg): Die BFL GmbH entwickelt die FLUX-Bildmodelle und verkauft den Zugang über eine API. Sie hat in einer Series B 300 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 3,25 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Das Unternehmen ist kein Chatbot und hier nicht gelistet, aber der Name für KI-Bilder aus Europa.
  • Apertus (Schweiz): ein öffentliches, vollständig offenes mehrsprachiges Sprachmodell, das EPFL, ETH Zürich und das Nationale Hochleistungsrechenzentrum der Schweiz (CSCS) am 2. September 2025 unter der Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht haben. Es ist ein Forschungs- und Infrastrukturprojekt, keine App für Endnutzer.
  • Aleph Alpha (Heidelberg): lange als Hoffnungsträger der europäischen KI gehandelt, hat im September 2026 eine Fusionsvereinbarung mit dem kanadischen Unternehmen Cohere unterzeichnet. Das gemeinsame Unternehmen soll als Cohere mit Hauptsitzen in Toronto und Berlin auftreten und ist deshalb hier nicht als europäischer Anbieter gelistet.

Vergleich der gelisteten europäischen KI-Produkte

ProduktArtUnternehmen und SitzModelleKostenlose Nutzung
Mistral Vibe (Le Chat)Assistent für Chat, Arbeit und CodeMistral AI, Paris, FrankreichEigene Mistral-ModelleGratistarif mit Limits, kostenpflichtig Pro, Team, Enterprise
EuriaAssistent, Dokumente, TranskriptionInfomaniak, SchweizOpen-Source-Modelle, Hosting in der SchweizKostenlos im Rahmen eines 24-Stunden-Kontingents
LumoDatenschutzorientierter AssistentProton, SchweizOpen-Source-Modelle auf Proton-Servern in EuropaKostenlos, auch als Gast, Bezahltarif Plus
Ecosia AI ChatChat-Modus in der SuchmaschineEcosia, Berlin, DeutschlandMistral Small 4 (laut Ecosia)Teil der Ecosia-Suche
DeepLÜbersetzen und SchreibenDeepL SE, Köln, DeutschlandEigene ModelleGratisversion mit Monatslimits, Bezahltarife

Grenzen gegenüber ChatGPT

  • Funktionsumfang: ChatGPT bündelt viele Funktionen in einem Produkt. Euria und Lumo sind schlanker, Ecosia AI Chat ergänzt die Suche, und nur Mistral Vibe kommt im Umfang nahe heran.
  • Modellherkunft: Die meisten europäischen Assistenten laufen nicht ausschließlich auf in Europa entwickelten Modellen. Euria und Lumo nutzen Open-Source-Modelle unterschiedlicher Herkunft, und Infomaniak nennt neben Mistral auch DeepSeek und Llama. Ist die Herkunft des Modells das Entscheidende, lohnt der Blick in die aktuelle Modellliste des Anbieters.
  • Qualität je Aufgabe: Ein konkurrenzfähiges großes Modell zu trainieren erfordert viel Rechenleistung und Kapital, deshalb sind Finanzierungsrunden wie die von Mistral wichtig. Welcher Assistent am besten antwortet, ändert sich mit jeder Modellversion und lässt sich nur mit eigenen Fragen beurteilen. Die Gratisversionen erlauben genau diesen Test.
  • Gratisversionen sind begrenzt: durch Nachrichtenkontingente, durch Länder (Euria) oder durch den schrittweisen Rollout (Ecosia AI Chat).
  • Fehler: Antworten jedes Assistenten können falsch oder veraltet sein, wichtige Fakten sollten geprüft werden.

Häufige Fragen

Gibt es eine europäische Alternative zu ChatGPT?

Ja. Gelistet sind Mistral Vibe aus Frankreich, Euria und Lumo aus der Schweiz sowie Ecosia AI Chat aus Deutschland. Die Seite Europäische Alternativen zu ChatGPT zeigt, welcher Assistent für welche Aufgabe passt.

Welche europäische KI ist die beste?

Die eine beste gibt es nicht. Mistral Vibe hat den größten Funktionsumfang, Lumo und Euria machen die weitestgehenden Datenschutzzusagen, und Ecosia AI Chat ist der einfachste Einstieg, wenn Ecosia ohnehin die Suchmaschine ist. Die Qualität schwankt je nach Aufgabe und ändert sich schnell, ein kurzer Test mit den Gratisversionen ist verlässlicher als ein Ranking.

Heißt europäische KI, dass meine Daten in Europa bleiben?

Nicht automatisch. Euria läuft nur in der Schweiz, Lumo auf Servern in Europa, aber Ecosia leitet Anfragen an Mistral weiter. Hosting, Speicherung von Gesprächen und Nutzung zum Training stehen in der Datenschutzerklärung des jeweiligen Anbieters.

Gibt es ein offenes europäisches Sprachmodell?

Ja. Mistral veröffentlicht einen Teil seiner Modelle als Open-Weight-Modelle, und das Schweizer Projekt Apertus steht unter der Apache-2.0-Lizenz. Offene Gewichte lassen sich auf eigener oder europäischer Infrastruktur betreiben, so nutzen auch Euria und Lumo Open-Source-Modelle.

Heißt Le Chat jetzt Vibe?

Ja. Mistral AI hat Le Chat im Mai 2026 in Vibe umbenannt. Adresse chat.mistral.ai, Konten und Gespräche blieben erhalten. Auf dieser Seite steht das Produkt weiterhin als Mistral Vibe (Le Chat).

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